Reise blog von Travellerspoint

M4 - Komikertrio zieht Regime durch den Kakao

die Moustagebrothers von Mandalay

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Lu Maw: „Du bist der Blogger, du ein Twitterer, du ein Reporter, ...“ Schliesslich zeigte er auf mich: „You are the paparazzi and you put it on facebook!“ (er deutete auf fratello). Unter den Zuschauern waren die Rollen schnell verteilt. Die Vorstellung konnte beginnen. Lu Maw, einer der drei „Moustage Brothers“, schnappte sich das ca. 70-jährige Mikrofon und reisst seinen ersten Witz:

Geht ein Burmese zum Zahnarzt in Thailand: "Warum kommen Sie denn zu mir, haben Sie denn keine eigenen Zahnärzte in Myanmar?", fragt er verwundert. "Doch natürlich, aber wir dürfen den Mund nicht aufmachen."

Unsere Blicke schweifen durch den Raum. Wir sitzen auf bunten Plastikstühlen, die Wände sind witzig tapeziert, Spinnweben hängen an den Holzbalken. Sind wir in einem Stall, in einer Stube, in der Garage? Lu Maw strahlt durch die Runde, packt die Zuschauer durch sein Charisma. Wir fühlen uns angesprochen, spüren immer mehr, uns an einem speziellen Ort zu befinden, fragen uns, wer die „Moustage Brothers“ sind. Immer mehr realisieren wir, wie wichtig unsere verteilten Rollen als „Paparazzi“ und "Facebookposter" (und co.) sind. Denn: solange die allabendlichen Vorstellungen durch westliche Touristen besucht werden, diese davon erzählen oder Beiträge in virtuellen Medien posten, solange müssen die Moustagebrothers eine erneute Verhaftung ein bisschen weniger fürchten.

Ein weiterer Witz schallt kratzig aus den Lautsprecherboxen. Er handelt von somalischen Piraten. In der Pose eines bewaffneten Gangsters rät Lu Maw seinen Kollegen aus Somalia, in Myanmar anzulegen und sich die Generäle zu schnappen. «Behaltet die Kerle als Souvenir»!
Lautes Gelächter schallt durch den Raum.

Bemerkenswerter Mut und Durchhaltewille

Das regimekritische Satiretrio "MoustageBrothers" (Schnauzbärte) nimmt seine Regierung seit über drei Jahrzehnte auf die Schippe. Für ihren Mut und Durchhaltewille bezahlen sie aber einen hohen Lohn, waren sie doch bereits 3x für mehrere Jahre inhaftiert, einer der Dreien verlor in einem Arbeitslager sogar ein Auge. Dank Amnesty International sind sie wieder frei, könnten aber jederzeit wieder inhaftiert werden. Natürlich sind sie mit Aung San Suu Kyi (berühmte Friedensnobelpreisträgerin) befreundet und bleiben den Generälen ein Dorn im Auge. Als sie 1996 genau am Unabhängigkeitstag vor dem Haus von (der damals unter Hausarrest stehenden) Aung San Suu Kyi Protestierende mit politischen Witzen amüsierten, brachten sie das Fass wohl zum Überlaufen. Seither unterliegen sie einem öffentlichen Vorstellungsverbot. Dieses umgehen sie aber geschickt, indem sie nur noch in den eigenen vier Wänden (also nicht öffentlich) auftreten und auch nicht mehr vor heimischem Publikum (wie früher).
Allabendlich sind Westler herzlich willkommen. In unserem Fall waren es einige Kanadier, Briten, Deutsche und sogar zwei mutige Mönche, total 11 Personen. Ambiente/Atmosphäre unikat: Spielen tun sie auf einer improvisierten Holzpritsche und sprechen in ein antikes Mikrofon. Der Raum ist verhangen von politischen Witzen, Fotos mit Aung San Suu Kyi und englischen, französischen und deutschen Zeitungsartikel über die Moustage Brothers mit witzigen Abbildungen der drei Schnauzbärte.

Wir fanden die Vorstellung ziemlich unterhaltsam und können sie durchaus weiterempfehlen.

Abschliessend noch ein Witze aus dem Repertoire:
Drei Politiker gehen zu Gott. Chinas Präsident Hu Jintao will wissen, wann sein Land das Reichste der Welt wird. Gott antwortet ihm: "Während deines Lebens nicht mehr!" Hu fängt an zu heulen.
Barak Obama fragt ihn: "Wann werden die USA die mächtigste Nation der Welt werden?" Gleiche Antwort, wieder Tränen.
Schliesslich fragt Thein Sein, der burmesische Premierminister, wann er endlich genügend Trinkwasser und Elektrizität für sein Volk zur
Verfügung stellen könne.
Diesmal ist es Gott, der in Tränen ausbricht: "In meinem Leben nicht mehr!"

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Aung San Suu Kyi mit den Moustache Brothers
(Bild aus einem Zeitungsartikel)

Eingestellt von sorella 19:27 Archiviert in Myanmar

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